Die jungen Goldschmiedinnen und Goldschmiede haben sich an der Schweizer Meisterschaft gemessen. Am 27. April fand im Hotel Schweizerhof in Luzern die Preisverleihung in den beiden Kategorien Design und Technik statt.
Zur diesjährigen Schweizer Goldschmiede-Meisterschaft wurden 39 Schmuckstücke in der Kategorie Design und 42 in Technik gefertigt.
Gyr Edelmetalle AG – engagierter Partner der SGM
Mit Überzeugung unterstützt die Gyr Edelmetalle AG sowohl die Technische als auch die Design-Meisterschaft. Als Materialsponsor stellen wir für die technische Prüfung hochwertiges Halbzeug zur Verfügung. In der Design-Meisterschaft bringen wir uns zudem ehrenamtlich in die Organisation ein – mit dem Ziel, jungen Goldschmiedinnen und Goldschmieden bestmögliche Rahmenbedingungen zu bieten.
Meisterschaft in Design
Im Bereich Design ist das Ziel des Wettbewerbs, die Lernenden im letzten Jahr ihrer Ausbildung bei der Erarbeitung eines Konzepts und der Entwicklung eines innovativen Designstücks zu fördern. Das diesjährige Wettbewerbsthema war „ENTROPIE - Chaos in der Ordnung - Ordnung im Chaos“. Erwartet wurden ein fertiges Konzept und die Umsetzung in ein tragbares Schmuckstück, in dem der zur Verfügung gestellte Salt&Pepper Diamant verarbeitet werden musste.
Die aus Designern, Kuratorin und Goldschmieden zusammengesetzte Jury vergab den Grossen Preis, der mit 4000 Franken dotiert ist, an Justine Aubry von der CPNE Pôle Arts Appliqués in La Chaux-de-Fonds. Der Konzeptpreis von 2000 Franken ging an Vladislav Sukhorukov von der École technique de la Vallée de Joux und den Jurypreis von 1000 Franken durfte Julie Baumeler von der CPNE-AA École d’Arts Appliqués entgegennehmen. Für ihre herausragenden Leistungen wurden zudem Ahmad Torkmany von der CFP Arts Genève und Noa Gerber von der CPNE Pôle Arts Appliqués, mit einer Belobigung geehrt.
Meisterschaft in Technik
Im Bereich Technik musste an den Standorten der Schule für Gestaltung Zürich und der École Technique de la Vallée de Joux in Le Sentier wiederum innert 22 Stunden anhand einer technischen Zeichnung ein Schmuckstück aus Gold hergestellt werden. Zuoberst aufs Podest schaffte es Mirko Hayoz von Chopard & Cie SA in Meyrin. Den zweiten Platz sicherte sich Charlotte Frisch von der Goldschmiede Beat Lehmann in Basel, und auf den dritten Platz kam Ella Stingelin ebenfalls von der Goldschmiede Beat Lehmann.


Grosser Preis Design
VOLTE FACE aus filigran geflochtenen, quadratischen Metallstücken – einem sogenannten Ringflechtwerk -erinnert an ein stoffliches Objekt. Es begreift Entropie als dynamisches Schwanken zwischen Formgebung und Formlosigkeit. Das weichfallende Metallgewebe wird als Fingerschmuck getragen und ändert mit der leisesten Bewegung der Hand seine Form. Es fällt in sich zusammen oder hängt nach unten, sammelt sich auf dem Handrücken oder rutscht quer über die Finger. Genauso wie es stets zwischen Ordnung und Chaos oszilliert, changiert es zwischen Schmuckstück, Stoffschlauch oder Abendtäschchen. Wobei der Diamant, eigentlich der Höhepunkt des Schmuckes, nur gelegentlich im Zentrum erscheint. Das Wettbewerbsthema ist handwerklich souverän und mit grosser Sorgfalt umgesetzt. Darüber hinaus wird die Vorstellung von Schmuck radikal getestet, da sich das Objekt letztlich seinem schmückenden Zweck verweigert.

Konzept-Preis Design
ΔS (Delta S) besteht aus einer mehrteiligen, geschwärzten, glattpolierten Silberbrosche und erfasst den Moment, in dem sich die Ordnung gerade auflöst, aber das Chaos noch nicht eingetreten ist. Die quecksilbrige Brosche verkörpert den Augenblick der Explosion und hält zentrifugale und zentripetale Kräfte in perfekter Balance. Das Zentrum der Brosche bildet eine kompakte Kugel. Sie trägt den Diamanten wie das Auge des Sturms, während sich die Energiewellen ausbreiten und die präzise Geometrie ausfranst. Drei zusätzliche Pins können als erweiterte und zugleich aufgelöste Reste der konzentrischen Ringe auf den Körper gesetzt werden. Überzeugt hat die Jury, dass die Struktur des Schmuckstücks nicht nur das Wesen der Entropie darstellt, sondern die Kräfte am Wirken mit ihrer offenen Form vergegenwärtigt.

Jury-Preis Design
Das Collier aus geschmiedetem Silber sowie geklebten und genähten, textilen Verbindungen entfaltet sich buchstäblich aus einem geschichteten Quadrat zu einem Halsband in dessen Zentrum der kleine Diamant prangt. In leichthändiger Umsetzung des Themas präsentiert sich der fliessende Übergang - daher auch das Wortspiel des «Abspulens» (Débobiné) - von Ordnung zu Unordnung und umgekehrt. So leicht der Schmuck in seiner Struktur scheinbar lesbar ist, so anspruchsvoll ist es, ihn wieder korrekt zusammenzufalten, damit er zu seiner ursprünglichen Form findet und in die Quadratform passt. Das unprätentiöse Schmuckstück vereint spielerische Leichtigkeit und bewusstes Nachdenken über die klassische Form des Colliers. Dabei offenbart es konzeptuelle Schärfe verkleidet im Charme des Einfachen.

Belobigung Design: Kontrollierte Demontage – Démolition contrôlée – Demolizione controllata
Der Krieg als entropische Macht und zerstörerische Kraft wird in der geschmiedeten Epaulette Kontrollierte Demontage vorgeführt. Das militärische Rangzeichen wurde ursprünglich zum Schutz vor Säbelhieben eingeführt und symbolisiert Zugehörigkeit sowie Prestige. In der geschmiedeten Umsetzung entwickeln sich die perfekt geformten Silberspangen zu ausgefurchten, von Hieben zersetzten Metallsplittern. Die straffe Form löst sich auf und lässt vielfältige Verletzungen im Kampf erahnen. Der Wechsel von klarer geschlossener zu geschundener Form kommuniziert körperliche Versehrtheit und brüchige Männlichkeit. Der ganze Schmerz einer solchen Erfahrung wird erahnbar und nun als eigentliche «Auszeichnung» tragbar, welche Zugehörigkeit zu einer ganz besonderen Gruppe verkörpert. Das eindrückliche Schmuckstück, welches geradezu performativ und körperlich die Gräuel des Krieges versinnbildlicht, verdient nach Meinung der Jury eine besondere Erwähnung.

Belobigung Design: HOMO DUPLICATA
In HOMO DUPLICATA wird Schmuck als ein rebellisches Werkzeug der Erkenntnis und des Widerstands aufgefasst. Nicht zu schmücken ist das Ziel, sondern die Einsicht, dass die Überwachungsgeräte, welche uns zum Abfangen unserer persönlichen Daten umgeben, uns als Gesellschaft entmenschlichen, da sie individuelle Besonderheiten einebnen. Indem die Maske den Blick des hyperkapitalistischen Systems auf uns Menschen simuliert, bringt sie uns die Gleichmacherei zu Bewusstsein. Die aus Harz gegossene Maske lässt uns die Umwelt nur verzerrt und unscharf erkennen. Sie verhindert individuelles Agieren und bildet mit dem satt sitzenden Haltegurt eine Art Zwangssystem, welche andere (Welt-)Sichten verunmöglicht. Durch diese Erfahrung, hofft die Designerin die Gesellschaft aufzurütteln und systematischen Faschismus zu verhindern. Die Verbindung von politischer Haltung und materiell-technischer Umsetzung hat die Jury überzeugt.
